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Tafsir/Exegese 112. Sure Al-Ikhlas (Die Aufrichtigkeit) - Vers 1

 قُلْ هُوَ اللَّهُ أَحَدٌ ﴿1﴾
(1) Sprich: Er ist Allah, Einer.

Diese Sure ist mekkanisch.

Der Inhalt dieser Sure:

Diese Sure konzentriert sich auf die Einheit Gottes. In vier kurzen Versen definiert sie diese Einheit auf eine Art und Weise, wodurch sie keiner weiteren Definition benötigt.

Offenbarungsgrund:

Bezüglich des Offenbarungsgrunds dieser Sure heißt es in einer Überlieferung von Imam al-Sadiq (a.), dass er sinngemäß sagte: „Die Juden wandten sich an den Gesandten Allahs und sagten: „Beschreibe uns deinen Herrn!“ Daraufhin schwieg er drei (Tage) lang und antwortete ihnen nicht. Daraufhin wurde die (Sure) offenbart: „Sprich: Er ist Allah, Einer“, bis zum Ende der Sure.“ [1]

Es wurde gesagt, dass der Fragende Abdullah bin Suriya der Jude war. Und es wurde gesagt, dass Abdullah bin Salam den Propheten (s.) dies in Mekka fragte und er daraufhin Muslim wurde. Und es wurde gesagt, dass ihn die Götzenanbeter in Mekka dies fragten.[2] Und es wurde gesagt, dass es die Christen in Najran waren, die dies den Propheten (s.) fragten.

Auf jeden Fall gibt es keinen Widerspruch zwischen diesen Überlieferungen, da es sein kann, dass diese alle dem Propheten (s.) dieselbe Frage gestellt haben und sie dieselbe Antwort erhielten und das ist nur ein Beweis für die Großartigkeit dieser Sure.

Die Vorzüge dieser Sure:

Es gibt sehr viele Überlieferungen, welche die hohe Stellung dieser Sure unter den anderen Suren aufgezeigt haben:

In einer Überlieferung über den Gesandten Gottes (s.) heißt es, dass er fragte: „Gibt es jemanden unter euch, der nicht fähig dazu ist ein Drittel des Quran in einer Nacht zu rezitieren?“ Es wurde gesagt: „Oh Gesandter Gottes und wer kann das aushalten?“ Daraufhin sagte der Prophet: „Liest (die Sure): Sprich: Er ist Allah, Einer.“ [3]

Über Imam al-Sadiq (a.), dass er gesagt haben soll: „Bei wem ein Tag vergeht, an dem er alle fünf Gebete verrichtet und dabei nicht die Sure „Sprich: Er ist Allah, Einer“ rezitiert hat, dem wird gesagt: Oh Diener Gottes, du gehörst nicht zu den Betenden.“ [4]

Über Sahr bin Sa’d al-Sa’adiy, dass er sagte: Ein Mann kam zum Propheten (s.) und beschwerte sich über seine Armut und seinen geringen Unterhalt. So sagte ihm der Prophet (s.): „Wenn du in dein Haus eintrittst, so sprich den Gruß, wenn jemand darin vorhanden ist und wenn niemand darin vorhanden ist, so sprich den Gruß und rezitiere einmal die Sure „Sprich Er ist Allah, Einer.“ So tat dieser Mann dies und Allah (swt) mehrte seinen Unterhalt und sogar den Unterhalt seiner Nachbarn. [5]

Das ist nur ein Teil von sehr vielen Überlieferungen über die großartige Stellung und den Lohn dieser Sure. Jedoch wie kann es sein, dass diese Sure einem Drittel des Quran entspricht? Es wurde gesagt, dass der Grund ist, weil der Quran drei Kategorien vereint: Die Urteile, die Glaubensüberzeugung und die Geschichte. Und diese Sure zeigt die Glaubensüberzeugung in einer verkürzten Art auf.

Und es wurde auch gesagt, dass der Quran aus drei anderen Kategorien besteht: dem Ausgangspunkt (der Einheit Gottes), dem Endpunkt (der Auferstehung) und dem, was dazwischen ist und diese Sure klärt über den ersten Punkt, d.h. der Einheit Gottes, auf.

Als eine Antwort auf die vielen Fragen bzgl. der Eigenschaften Allahs (swt), die von einzelnen Personen und Gruppen gestellt wurden und sich mehrmals wiederholten, antwortet der Vers:

(1) Sprich: Er ist Allah, Einer.

Exegese:

Das Wort „sprich“ ist ein Aufruf an den Gesandten Gottes (s.) das aufzuzeigen, was Allah (swt) dem Propheten offenbart hat.

Das Personalpronomen „Er“ deutet darauf hin, dass Allahs (swt) heilige Existenz in vollkommener Verborgenheit liegt und ihn die beschränkten Gedanken der Menschen nicht umfassen können, auch wenn Seine Zeichen deutlicher sind, als alles andere, so wie der Erhabene sagt: „Wir werden ihnen Unsere Zeichen an (allen) Horizonten und in ihnen selbst zeigen, damit ihnen aufgezeigt wird, dass es die Wahrheit ist.“ (41.53). Und nach dem Personalpronomen zeigt der Vers diese verborgene Wahrheit auf und sagt: „(Er ist) Allah, Einer!“

In einer Überlieferung über Imam Muhammad al-Baqir (a.) heißt es sinngemäß: „Die Ungläubigen haben auf ihre Götter auf eine direkte Art hingewiesen. So sagten sie: Dies sind unsere Götter, die zu spüren und mit den Blicken zu erfassen sind. So zeig du uns, oh Muhammad, deinen Gott, zu dem du aufrufst, so dass wir ihn sehen und erfassen können und keinen anderen Gott außer ihm anbeten. So offenbarte Allah, der Erhabene, (den Vers): „Sprich: Er (huwa) ist Allah, Einer“. Das „h“ (im Wort „huwa“ – „Er“) steht für die Bestandhaftigkeit und das „wa“ steht dafür, dass er durch die Blicke nicht umfasst und von den Sinnen nicht gespürt werden kann.“ [6]

Und über den Fürsten der Gläubigen, Imam Ali (a.), dass er sagte: „Ich sah al-Khidr (a.) eine Nacht vor (der Schlacht) von Badr im Traum und so sagte ich ihm: „Lehre mir etwas, wodurch ich gegen die Feinde siegreich sein kann.“ So sagte er (al-Khidr): „Sag: Oh Er, oh außer dem es kein Er gibt, außer Er.“ Als ich erwachte, erzählte ich dies dem Gesandten Gottes (s.), so sagte er mir: „Oh Ali, dir wurde der großartigste Name (Allahs) (al-Ism ul-A’tham) gelehrt.“ [7]

Das Wort „Allah“ ist eines der Namen des Herrn und Schöpfers. In einer Überlieferung von Imam Ali (a.) heißt es, dass auf alle erhabenen und wunderschönen, göttlichen Eigenschaften in diesem einen Wort bzw. Namen hingewiesen wurde und aus diesem Grund wurde auch dieser als der großartigste Name Allahs (swt) (al-Ism ul-A’tham) bezeichnet.

Er ist auch der einzige Name, der nur auf den Erhabenen bezogen werden kann. Die restlichen Namen bzw. Eigenschaften sind eher Beschreibungen erhabener Eigenschaften, wie z.B. der Allwissende, der Allbarmherzige, der Schöpfer, der Versorger usw., und kann auch in einer verkleinerten Form auf andere bezogen werden, wie z.B. wenn man von einer wissenden Person spricht oder von einer gnädigen, großzügigen usw..

Dieser erhabene Name wurde von einer beschreibenden Eigenschaft abgeleitet. Es wurde gesagt, dass es von dem arabischen Wort „walah“ abstammt, d.h. so viel wie „Ratlosigkeit“ oder „Verwirrtheit“, da der Verstand ratlos und verwirrt ist über das erhabene Dasein Gottes und es nicht verstehen und erfassen kann.

Es wurde auch gesagt, dass dieser erhabene Name von dem Wort „alih“ abgeleitet wurde, was „Diener“ oder „Anbeter“ bedeutet. Und „al-ilaah“ ist der Angebetete. Daraufhin wurde die „hamzah“ (das „i“ bei „ilaah“) weggelassen und ein „a“ und ein „l“ hinzugefügt, so dass daraus „Allah“ wurde und es nur noch auf den Erhabenen bezogen wurde. Auf alle Fälle, wie auch immer dieser erhabene Name abgeleitet worden ist, so ist es ein Name, der sich nur auf den Erhabenen bezieht und die Bedeutung des Daseins hat, der alle vollkommenen Eigenschaften vereint und frei ist von jeglichen Unvollkommenheiten und Fehlern. Dieser heilige Name wurde mehr als ein Tausend Mal im heiligen Quran erwähnt und kein anderer Name wurde so oft erwähnt wie dieser.

Das Wort „Einer“ stammt vom arabischen Wort „wahad“ (eins) ab. Daher sagten einige, dass die Worte „‘ahad“ und „wahad“ dieselbe Bedeutung haben und damit ist Jener Einer gemeint, dem keiner gleicht in Seinem Wissen, Seiner Macht und Seiner Barmherzigkeit und Gnade.

Es wurde allerdings auch gesagt, dass es einen Unterschied gibt zwischen „‘ahad“ und „wahad“ und zwar, dass das Wort „‘ahad“ nur auf jenes bezogen wird, bei dem es keinen Plural gibt, weder in Gedanken noch in der Außenwelt. Daher ist es nicht möglich es zu zählen, anders als das Wort „wahad“, von dem es einen Zweiten und Dritten geben kann, sei es in Gedanken oder in der Außenwelt. Daher sagt man im Arabischen auch: „lam ya’ti ‘ahad (keiner ist gekommen), was daraufhin deutet, das kein einziger Mensch gekommen ist. Allerdings wenn man sagt: „lam ya’ti ‘ahad“ (Nicht einer ist gekommen), so kann es sein, dass zwar nicht einer, aber zwei oder drei gekommen sind. [8]

Und es wurde auch gesagt, dass das Wort „‘ahad“ darauf hindeutet, dass Allah (swt) nicht zusammengesetzt ist, weder in der Außenwelt noch im Verstand. Wohingegen das Wort „wahad“ auf die Einheit seines Daseins hindeutet.

Zusammengefasst können wir sagen, dass Allah (swt) „‘ahad“ und „wahad“ ist, jedoch mit der Bedeutung, dass sein Dasein Eins ist und dass Ihm nichts und niemand gleicht.


[1] Quelle: Bihar ul-Anwar, Band 3, Seite 220, Hadith Nr. 9

[2] Quelle: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 390

[3] Quelle: Tafsir Nour ul-Thaqalayn, Band 5, Seite 705, Hadith Nr. 42

[4] Quelle: Tafsir Nour ul-Thaqalayn, Band 5, Seite 699, Hadith Nr. 1

[5] Quelle: Tafsir Majma‘ ul-Bayan, Band 10, Seite 541

[6] Quelle: Bihar ul-Anwar, Band 3, Seite 221, Hadith Nr. 12

[7] Quelle: Bihar ul-Anwar, Band 3, Seite 221, Hadith Nr. 12

[8] Quelle: Tafsir ul-Mizaan, Band 20, Seite 449

 

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